Vorzeigebeispiel

27. August 2026

Vorzeigebeispiel: EEG Graz-Nordwest

75% Abnahmegrad & 41% Autarkiegrad im Juli 2026

Mit dem Wachstum unserer Energiegemeinschaften wächst auch die Datengrundlage. Die Verbrauchs- und Erzeugungsdaten zeigen zunehmend genauer, wie gut regionale Stromproduktion und tatsächlicher Verbrauch zusammenspielen. Besonders interessant ist dabei der Vergleich zwischen ländlichen und urbanen Energiegemeinschaften: Ihre Voraussetzungen – und damit auch die Herausforderungen beim Aufbau – unterscheiden sich deutlich.
 
In Städten liegt eine der größten Hürden häufig auf der Erzeugungsseite. Während im ländlichen Raum vergleichsweise viele Dachflächen für Photovoltaikanlagen zur Verfügung stehen, sind die Möglichkeiten in dicht bebauten Stadtgebieten begrenzter. Gerade in historischen Ortskernen und denkmalgeschützten Bereichen können Vorgaben des Altstadt- und Denkmalschutzes die Errichtung von PV-Anlagen einschränken. Geeignete Einspeiser:innen für eine Energiegemeinschaft zu gewinnen, ist deshalb im urbanen Raum oftmals besonders anspruchsvoll.

Umso bemerkenswerter ist die Entwicklung mehrerer Energiegemeinschaften in Graz. Durch die gezielte Einbindung geeigneter Produzent:innen konnten sich auch in zentralen Stadtlagen leistungsfähige EEGs etablieren. Ein Beispiel dafür ist die EEG Graz-Nordwest im Raum Andritz.

Während viele ländliche Energiegemeinschaften über eine hohe Zahl an PV-Anlagen verfügen und daher vor allem zusätzliche Verbraucher:innen suchen, die den regional erzeugten Strom zeitgleich nutzen, kann sich die Situation im urbanen Raum nahezu umkehren. Steht einer begrenzten Zahl größerer Erzeuger:innen eine hohe Dichte an Haushalten, Betrieben und anderen Verbraucher:innen gegenüber, entsteht mitunter schon früh ein sehr ausgewogenes Verhältnis zwischen Einspeisung und Verbrauch. In einem der produktionsreichsten Monate des Jahres (Juli 2026) wurden den Einspeiser:innen der EEG Graz-Nordwest durchschnittlich drei Viertel des Überschusses abgenommen. Der Autarkiegrad von 41% zeigt zudem, dass Erzeugung und Verbrauch zeitlich sehr gut zusammenpassen.

Mit knapp 130 Mitgliedern ist die EEG Graz-Nordwest derzeit unsere größte regionale Energiegemeinschaft im Netzgebiet des Stromnetz Graz. Entstanden ist sie Anfang 2025 aus einer Kooperation mit einer Grazer Pfarre. Was zunächst als lokale Initiative begann, hat sich innerhalb weniger Monate zu einem anschaulichen Beispiel dafür entwickelt, welches Potenzial Energiegemeinschaften auch im städtischen Raum haben.

Fazit: Was sich im urbanen Raum vielfach bereits organisch entwickelt, ist auch für den den ländlichen Raum das Ziel: ein ausgewogenes Verhältnis zwischen einer großen Zahl an Einspeiser:innen und ausreichend Verbraucher:innen, die den regional erzeugten Strom zeitgleich abnehmen können.